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Gemeinsam sind wir bunt

2014 wurde vom Ministerium für Soziales und Integration Baden Württemberg ein neues Förderprojekt ausgeschrieben. Das Sozialministerium wollte mit Hilfe des landesweiten Projektes „Gemeinsam sind wir bunt“ Lebensräume zu Engagementträumen entwickeln. Damit sollte das Miteinander aller Generationen an einem Wohnort gefördert werden. Bekanntlich engagiert sich landesweit bereits ein Drittel aller Bürger – und ein weiteres wäre dazu bereit, wenn die Rahmenbedingungen stimmten, so das Freiwilligensurvey von 2014.

Voraussetzung für die Bewerbung waren, mindestens zwei Akteure aus folgenden Gruppierungen, z.B. Vereine, Verbände, Kirchengemeinden müssen gemeinsam mit wirken und die Kommune muss zwingend mit wirken oder ein aktives Interesse zeigen und einen aktiven Beitrag leisten.

Für eine Aufnahme in das Projekt „Gemeinsam sind wir bunt“ haben sich landesweit 113 Initiativen beworben. Die Solidarische Gemeinde ist als eine von insgesamt 25 in dieses Landesförderprogramm aufgenommen worden. Mit Unterstützung der Baden-Württemberg-Stiftung erhielten die ausgewählten Projekte in den kommenden zweieinhalb Jahren bis zu 30000 Euro, um bürgerschaftliche Ziele an ihren Wohnorten zu erreichen.

Das Projekt war in drei Phasen unterteilt und wurde von der Fachberatung „Bürgerengagement und Ehrenamt“ des Landes und dem Sozialministerium kompetent betreut. 

In Phase eins haben die Solidarische Gemeinde dieses Projekt unter das Hauptziel „Förderung des Miteinanders aller in Reute-Gaisbeuren lebenden Menschen“ gestellt und Teilziele formuliert. In der zweiten Jahreshälfte 2015 wurden von der Initiativgruppe der Solidarischen Gemeinde die Ergebnisse aus der Fragebogenaktion und dem Workshop im Herbst 2014 erneut gesichtet und neue Ideen zur Umsetzung der Projektziele gesammelt. Einige Ideen wurden sofort praktisch umgesetzt. Zeitgleich wurde der Krankenpflegeverein per Mitgliederbeschluss in die Solidarische Gemeinde umgewandelt.

Mit Beginn des neuen Jahres 2016 wurde eine Steuerungsgruppe „Gemeinsam sind wir bunt“ gegründet. Mitglieder waren Vertreter der Solidarischen Gemeinde, der Kirchen und der Caritas, der Kommune und Menschen aus verschiedenen Generationen mit sozial-caritativen Kompetenzen und Bürger mit Projekterfahrung. Von dieser Steuerungsgruppe wurde ein Projektstrukturplan erstellt. Aus den gesammelten Themen wurden die Schwerpunkte benannt und Teilziele festgelegt. Die einzelnen Projekte und Ideen wurden den Themen-Schwerpunkten zu geordnet. Im Anschluss wurde eruiert, welche Voraussetzungen notwendig sind, um die Projekte starten zu können und welche Rahmendbedingungen erforderlich waren und mögliche vorhandene Räumlichkeiten und finanzielle Mittel in Augenschein genommen.

Außerdem wurde eine Organisations- und Kommunikationsstruktur festgelegt und eine Projektassistentin eingestellt, die Ansprechpartner für die Mitstreiter war, den Kommunikationsfluss sicherstellte und die Anlaufstelle personell mit festen Sprechzeiten unterstützte.

Als weitere Strukturierungsmaßnahme stellte die Steuerungsgruppe einen Fahrplan zusammen der die Fragen klärte:

  • Was steht der Reihe nach an – was muss als Erstes geklärt werden
  • Priorisierung der Projekte – es kann nicht alles gleichzeitig umgesetzt werden
  • Wie beteiligen wir die Bürger

In Anbetracht der Tatsache, dass die Solidarische Gemeinde zwar von ihren Kooperationspartnern, der Kommune, den Kirchen, dem Kloster Reute, der Sozialstation und der Caritas tatkräftig unterstützt wird, aber der Hauptteil der Arbeit im ehrenamtliche Engagement gestemmt wird, stellte sich nun vor allem die Frage, wie Verantwortlichkeit für die Projekte auf mehrere Schultern verteilt werden kann und Multiplikatoren gefunden werden können. Auch sollte die Möglichkeit für zeitlich befristetes Engagement geschaffen werden.

So wurde für Ende April 2016 unter Mitwirkung einer externen Moderatorin ein weiterer Workshop geplant und durchgeführt. Mit diesem zweiten Workshop wurden die Bürger aufgefordert sich mit Themen ihrer Wahl zu befassen. Das Ergebnis der vorbereiteten Arbeitstische waren 11 Arbeitsgruppen mit ehrenamtlich Engagierten, die sich seither mit den Themen Freizeitgestaltung (auch mit Handicap), Heimatpflege, Dorfentwicklung, Pflege und Betreuung, Besuchsdienst, generationenübergreifenden Projekte, Qualifizierung Ehrenamt, Orte für Jung und Alt, und Medien und Kommunikation befassen und mit ihren Arbeitsgruppensprechern und der Steuerungsgruppe ihre Ziele festlegten. Die Organisationsstruktur der Solidarischen Gemeinde ermöglicht es engagierten Bürgern ihre fachliche Kompetenz und ihre Ideen ebenso einzubringen, wie sich einfach als Ehrenamtliche für Aufgaben werben zu lassen. Dabei ist sowohl die Wahl der Aufgaben, als auch das Zeitbudget das sie mitbringen, ihre Entscheidung.

Dieses Potential wurde in Phase III des Projektes für die Umsetzung der geplanten Ziele eingesetzt und wird nachhaltig genutzt. Mit dem Bezug des renovierten Raumes in der alten Schule wurde das Fundament der Freiwilligenakademie gefestigt und die geplanten Vorhaben konnten starten. Die Arbeitsgruppen entwickelten Strategien für die Schwerpunktziele Jugendprojekte, Qualifizierung von und für Ehrenamtliche und Erweiterung der Seniorenhilfe und setzen diese seither in enger Rück-kopplung mit der Steuerungsgruppe und dem Vorstand um. Außerdem wurden neue Ziele, die aus den Arbeitsprozessen der Arbeitsgruppen entstanden sind, bearbeitet. Es entstand unter anderem die Arbeitsgruppe Heimatpflege. Mit all diesen Projekten wurde auch das Netzwerk Ehrenamt in Reute-Gaisbeuren erweitert.

Mit der Organisationsstruktur und dem bestehenden Netzwerk der Solidarischen Gemeinde und ihren Organisationspartnern besteht ein solides Fundament, um ehrenamtliches Engagement zu sichern. Die Mitglieder der Solidarischen Gemeinde sind engagierte Bürger, Vertreter aus Kommune, Kirchen, des ortsansässigen Klosters und dessen Träger der Altenhilfe, sowie Kooperationspartner wie Sozialstation und Nachbarschaftshilfe. Damit stellt die Solidarische Gemeinde ein Netzwerk vieler Menschen und Institutionen dar, in der sich die Vielfalt der am Ort lebenden Menschen spiegelt. Es wurde eine Struktur geschaffen, die es ermöglicht mit Kooperationspartnern weitere zukunftsweisende Projekte anzugehen, die den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen in Reute-Gaisbeuren gerecht werden und den Zusammenhalt stärken.

Der Abschluss des Projektes „Gemeinsam sind wir bunt“ wurde im Herbst 2017 mit einem großen Fest in der Durlesbachhalle in Reute gefeiert.

Die Solidarische Gemeinde Reute-Gaisbeuren war übrigens das einzige ehrenamtlich organisierte Projekt, das bei „Gemeinsam sind wir bunt“ zum Zug gekommen ist.

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